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Blog zu Wirtschafts- und Finanzthemen
Updated: 49 min 22 sec ago

Zocken auf Kosten der Ärmsten

Tue, 08/31/2010 - 11:10

Erst die Wohnung und die Ersparnisse, dann das Essen. Finanzkrise und betroffenschwangeren Bekundungen zur Einschränkung von Spekulation seitens der Politik zum Trotz – gezockt wird weiterhin. Im Kasino herrscht Hochbetrieb. Nach US-Immobilien und in Anbetracht schwächelnder Aktienkurse setzen Spekulanten nun auf Rohstoffe – darunter auf Agrarrohstoffe wie Weizen und Reis, was für Entwicklungsländer drastische Folgen hat.

Der Weizenpreis ist von Anfang Juli bis Ende August um mehr als 70 Prozent gestiegen. Kostete die Tonne Weizen Anfang Juli noch etwa 160 US-Dollar, liegt der Preis nun bei über 280 Dollar.

Zum Teil ist das durch steigenden Bedarf begründet. Immerhin wächst die Nachfrage nach Fleisch und Biosprit. Spekulanten machen jedoch munter mit. Und wenn die Preise nicht allmählich steigen, sondern Wetten sie sprunghaft anschwellen und fallen lassen, sie sich von der realen Ernte und dem Bedarf loskoppeln und es zuweilen lukrativer ist, Weizenvorräte vor sich hin gammeln zu lassen als dringend benötigt unters Volk zu bringen, wird das zu einem dramatischen Problem.

„Wieso spekulieren Anleger ausgerechnet auf steigende oder fallende Preise bei Grundnahrungsmitteln - und machen so Rendite auf Kosten der Ärmsten?“ fragen Christian Teevs und Jan Willmroth in einem lesenswerten Artikel auf Spiegel online.

Und daran schließt sich die Frage an: Was kommt als nächstes? Ob Gesundheitsminister Philipp Rösler mal darüber nachgedacht hat, dass sich im Gesundheitssystem auch allerhand Wettpotential findet? So könnte beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Sprechstunden beim Arzt "leer" eingekauft und Termine für den vielgefragten Montag könnten teurer weiterverkauft werden. Wollen Patienten dann wegen erhöhter Praxisgebühr montags nicht mehr zum Arzt, könnten die Preise für einen Dienstagstermin in die Luft schnellen. (sf)

Brüsseler Rettungstage - am 7. Mai wäre der Euro kollabiert

Thu, 07/29/2010 - 12:39

In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai stand unsere Währung vor dem Kollaps. Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten tagten in Brüssel, Nicolas Sarkozy sah sich als „Retter“. Der britische Historiker Peter Ludlow hat nun die Szenen vom dramatischen Euro-Gipfel rekonstruiert.

Der Brüsseler Euro-Gipfel vom 7. Mai war ein sonderbares Ereignis. Die milliardenschwere Rettungsaktion für den Euro geschah in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai - die Menschen bekamen davon nichts mit. Im Gegenteil: Drei Tage gingen ins Land, bis den Bürgern in Europa klar wurde, dass ihre Währung offenbar zu kollabieren drohte.

Das Ergebnis: Die Geburt eines gewaltigen, nie dagewesenen „Rettungspakets“ von gewaltigen 750 Milliarden Euro – Politiker, Medien und Bürger wurden von den Entwicklungen an den Finanzmärkten regelrecht überrollt.

Der britische Historiker Peter Ludlow, Gründungsdirektor des namhaften Brüsseler „Centre for European Policy Studies“, hat nun eine Studie herausgebracht, die genau beschreibt, welche zum Teil heftigen Diskussionen vor und auf dem Gipfeltreffen geführt wurden („In the Last Resort. The European Council and the Euro Crisis, Spring 2010“, Eurocomment Briefing Note Vol. 7, Nr. 7/8).

Ludlow ist ein alter Hase in Brüssel, seit Jahren verfasst er kenntnisreiche Berichte über die Treffen der Staats- und Regierungschefs. (wtw)

Aktienkurse jetzt wieder in D-Mark

Thu, 06/17/2010 - 10:15

Aufgrund der Eurokrise wünschen sich viele Anleger die D-Mark zurück. Ein Börsenportal kommt diesem Wunsch jetzt entgegen. Den Aktienkursen ist das Währungs-Hickhack egal.

Ökonomen und Anleger läuten die Totenglocken für den Euro und erwarten über kurz oder lang eine Rückkehr zur D-Mark. So zeigten sich in einer Umfrage des Anlegerportals börsennews.de knapp 40 Prozent der Nutzer überzeugt, das die Wiedereinführung der D-Mark nur eine Frage der Zeit sei. In das gleiche Horn bläst der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel, der offen für die Abschaffung des Euro eintritt.

Die findigen Macher von Börsennews.de scheinen ebenfalls dieser Ansicht und zeigen nunmehr „auf Wunsch vieler Bürger nach wirtschaftlicher Sicherheit“ die Aktienkurse auf ihrer Website sowohl in Euro als auch in D-Mark an. Ob die Portalbetreiber mit der dualen Währungsdarstellung für mehr Klarheit bei ihren Anlegern sorgen oder im Endeffekt nicht Verwirrung stiften, wird sich zeigen. Den Aktienkursen ist das doppelte Spiel reichlich egal: Sie fallen oder steigen gleich viel – egal in welcher Währung die Kursänderungen dargestellt werden. (mg)

Welche Länder schon Bankrott gemacht haben

Tue, 06/01/2010 - 15:14

Die Staatsschuldenkrise rund um Griechenland und die Turbulenzen um den Euro dauern an. Doch auch Spanien, Portugal, Irland und Italien sorgen zunehmend für Unruhe unter den Finanzmarktakteuren. Gänzlich neu sind solche Sorgen nicht, wie der Blick in die Geschichte zeigt, meint Bernhard Spittaler, Dachfondsmanager der Schoellerbank Invest AG:

Den ersten dokumentierten Staatsbankrott gab es bereits im 4. Jahrhundert vor Christus. Damals vermochten griechische Stadtstaaten Gelder, die ihnen ein Tempel geliehen hatte, nicht mehr zurückzuzahlen. In den letzten 200 Jahren hat Griechenland weitere fünf Pleiten erlebt. Russland war in dieser Zeitspanne ebenfalls ganze fünf Mal zahlungsunfähig. In der Türkei und Portugal stehen sechs, in Ungarn sieben, in Deutschland acht und in Spanien sogar dreizehn Staatspleiten zu Buche.

Prominente Insolvente im Mittelalter und der frühen Neuzeit: England und Spanien

Die englische Krone sorgte für den ersten großen Staatsbankrott in Europa. 1340 konnte der englische König Edward III. nach einer gescheiterten Frankreich-Invasion seine Schulden bei diversen italienischen Bankiers nicht mehr tilgen. 1672 stellte auch Karl II. aufgrund der enormen Außenstände die Zahlungen an die Gläubiger ein. Nach der Revolution von 1688 bildete sich in England ein durchaus erfolgreicher Anleihenmarkt heraus, welcher von sogenannten „Consols“ (ewige britische Staatsanleihen) geprägt war - wobei dieser sehr liquide Markt kriegsbedingt ebenfalls von sehr starken Schwankungen begleitet wurde.

Ein wesentlicher Faktor, warum in der Vergangenheit das Vertrauen in die Finanzkraft anderer Staaten schon des Öfteren wankte, war eine stark steigende Geldmenge. So machten die Spanier im 16. Jahrhundert erste negative Erfahrungen mit dieser Thematik. Damals war Silber, das im ehemaligen Inkareich abgebaut und importiert wurde, ein von der Regierung häufig verwendetes Zahlungsmittel. Große Flotten von bis zu 100 Schiffen brachten das Edelmetall auf das spanische Festland. Die Könige ließen für ihre Eroberungskriege derart viel Silber fördern, dass es dramatisch an Wert verlor bzw. enorm an Kaufkraft einbüßte.

Die Finanzprobleme Spaniens

Spanien hatte im 16. und 17. Jahrhundert durchgängig ein mehr oder weniger großes Finanzproblem. Die Zahlungen an Gläubiger wurden in diesem Zeitraum neun Mal ganz oder teilweise eingestellt. Die Finanzgebarung war eine einzige Katastrophe. Von 1556 bis 1598 saß Philipp II. von Spanien am Ruder der Macht. Unter ihm waren bis zu 90 Prozent des Staatshaushaltes für Militärausgaben reserviert.

Generell ist festzuhalten, dass sich Staaten in der Neuzeit immer wieder hoch verschuldet haben. In erster Linie dienten diese Defizite als Kriegsfinanzierung oder für das aufwändige Leben des jeweiligen Herrschers.

Als Deutschland zahlungsunfähig wurde
Deutschland war beispielsweise 1923 zahlungsunfähig. Die Ausgangspunkte für diesen Bankrott finden sich in sehr hohen Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg sowie in einer ungenügenden Besteuerung (höhere Einkommensschichten weigerten sich, die ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen) und in übermäßigen Ausgaben für den öffentlichen Dienst wieder. Dies mündete in einer galoppierenden Inflation, zumal führende Politiker damals keinen Anlass sahen, die Geld- und Steuerpolitik zu stabilisieren. Um einen Einkauf zu erledigen, trugen die Bürger Millionen von Reichsmark in Schachteln mit sich herum. Als Notlösung kam es zur Auflage der Rentenmark. Wie bei jeder Geldentwertung profitierten auch damals grundsätzlich die Schuldner, während die Sparer fast vollständig auf der Strecke blieben.

Asienkrise machte Russland zahlungsunfähig

Im Zuge der Asienkrise 1997 kam Russland in Bedrängnis. Der stark gefallene Ölpreis brachte die Staatseinnahmen gehörig unter Druck. Die Auswirkungen der Asienkrise ließen Anleger damals befürchten, dass sich die Lage in Russland ähnlich entwickeln könnte, wie in den wirtschaftlichen Problemzonen Thailand, Malaysia, Indonesien und den Philippinen. Daraufhin kam es zu einem gewaltigen Kapitalabfluss und schließlich konnte Russland mehr als 40 Milliarden US-Dollar Schulden nicht mehr bedienen – der Rubel wurde um über 70 Prozent abgewertet.

Wie Argentinien in die Pleite schlitterte


Argentinien ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Land durch wirtschaftspolitisches Missmanagement in Schwierigkeiten kommen kann. Noch 1913 gehörte das südamerikanische Land zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft zeitweise schneller gewachsen als in den USA oder Deutschland.

Ab 1945 hinkte Argentinien vielen anderen Ländern hinterher, so Spittaler. Der Hauptgrund lag in einer fast stetig hohen, hausgemachten Inflation von 1945 bis 1990 mit ihrem Höhepunkt von 5.000 Prozent im Jahr 1989. 1991 gab es in Argentinien mit dem neuen „Peso Convertible“ die sechste Währungsreform innerhalb von 100 Jahren. Auch diese Umschichtungsaktion war letztlich zum Scheitern verurteilt, da die Auslandsschulden in den 90er Jahren aufgrund der mangelhaften Haushaltspolitik immer stärker anstiegen, bis sich der Internationale Währungsfonds Ende 2001 weigerte, weitere Hilfsleistungen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin kam es zu Zahlungseinstellungen. Ein Großteil der Gläubiger gab sich, wohl oder übel, mit einem Umtausch zufrieden, der ihr Vermögen um 67 Prozent beschnitt (im Fachjargon bezeichnet man diese Maßnahme als „Haircut“). (ejf)

1,22 Dollar am Montagmorgen

Mon, 05/17/2010 - 11:00

So billig war er seit April 2006 nicht mehr - unser schöner Euro: Heute morgen notierte er bei 1,2237 Dollar. Tendenz fallend. Und so vermengen sich Schuldenkrise der Südstaaten, Ackermanns Griechenland-Anmerkungen, die "Wucht" des Notfallpakets, die Macht der Spekulanten zu einer immer schwierigeren Gemengelage. (mp)